Abendlicher Weg durch Hannover: eine klassizistische Fassade mit Säulen, rechts ein Baum im letzten Licht
Kunstpreis · Geschichte 16 · 15. September 2026

Dreißig Positionen, zwei Namen

SpurGedanke
Diese Geschichte knüpft an: Die zweite Geschichte im Beet: die Wochen vor der Entscheidung.
Gedanke

In der letzten Geschichte ging es um das Ergebnis. Um Leyla Yenirce, die den Kunstpreis der SPD-Landtagsfraktion Niedersachsen 2026 bekommt, und um elf Menschen, die gemeinsam entschieden haben. Diese Geschichte geht einen Schritt zurück. Sie erzählt von den Wochen davor, in denen noch gar nichts entschieden war.

Jedes Jurymitglied durfte bis zum 22. Juni einen Vorschlag einreichen, höchstens zwei. Das klingt nach wenig Arbeit, zwei Namen hat man schnell im Kopf. Aber ich saß dort nicht für mich. Ich saß dort für den BBK Niedersachsen, und damit für sehr viele Künstlerinnen und Künstler in diesem Land. Eine Stimme in der Jury ist nur so gut wie die Arbeit davor.

01
Eine Stimme in der Jury ist nur so gut wie die Arbeit davor.
Spur

Dann die eigentliche Suche. Wo findet man Künstlerinnen und Künstler, die in Niedersachsen leben, arbeiten oder ausstellen und in der Mitte ihres Weges stehen? Am Ende waren es 24 Quellen: die Jahresstipendien des Kulturministeriums, der Sprengel-Preis der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, die Herbstausstellung des Kunstvereins Hannover, die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Ausstellungen der Museen in Oldenburg und Osnabrück und die Mitgliederverzeichnisse der BBK-Bezirke in Hannover, Braunschweig, Lüneburg und Südniedersachsen.

Dabei galt eine feste Reihenfolge. Offizielle Stellen zuerst, dann Verbände, dann die eigene Website der Künstlerin oder des Künstlers, Social Media zuletzt. Jede Angabe bekam ihre Quelle, und was sich nicht belegen ließ, blieb als offen markiert. Auch der Bezug zu Niedersachsen wurde gewichtet. Wer hier lebt und arbeitet, zählt mehr als jemand, der hier einmal ausgestellt hat oder hier geboren wurde.

03
Offizielle Stellen zuerst, Social Media zuletzt.
Dossierseite mit sechs großen Zahlen in farbigen Feldern: 36, 25 Prozent, 44 Prozent, 5.000 Euro, 90 Prozent und 54 Prozent
Sechs Zahlen aus dem ersten Dossier: die Geschichte des Preises und die Lage der Künstlerinnen und Künstler
Dossierseite mit einer Liste von Quellen, jede mit einem farbigen Quadrat für ihre Verlässlichkeit, darunter fehlende Dokumente
Die Quellenampel: welche Quelle wie belastbar ist, und welche Dokumente noch fehlen
Dossierseite mit der Überschrift Wonach der BBK Landesverband Niedersachsen seine Vorschläge prüfen sollte, darunter acht Kriterien von A bis H
Acht Prüffragen für einen Vorschlag
Helles Deckblatt mit BBK-Logo und dem Titel Vorauswahl Step 2, sechzehn Positionen, unten die Zahlen 16, 10, 05 und 22.06
Deckblatt der Vorauswahl vom 21. Juni 2026: sechzehn Positionen, zehn davon im BBK organisiert
Begegnung

Das alles ist nicht allein an meinem Schreibtisch entstanden. Ich war in Vertretung für Dagmar Schmidt in der Jury, unsere Vorsitzende im BBK Niedersachsen, und der Landesverband sollte jederzeit wissen, wo wir stehen. Nach der ersten Sitzung ging am 2. Juni ein Sachstand an sie: wer in der Jury sitzt, was beschlossen wurde und wie es weitergeht.

Und zwischen den einzelnen Phasen haben wir uns in Hannover immer wieder persönlich abgestimmt, über den Stand der Recherche und über unsere eigene Auswahl. Das hat Zeit gekostet, und es war richtig so. Ich saß dort für den Verband, also habe ich mit dem Verband gesprochen. Auf dem Deckblatt der Vorauswahl steht deshalb auch dieser eine Satz: zusammengestellt in Vertretung für Dagmar Schmidt.

05
Ich saß dort für den Verband, also habe ich mit dem Verband gesprochen.
Dossierseite mit zehn nummerierten Fragen, im Hintergrund eine große helle Zahl 10
Zehn offene Fragen für die erste Sitzung
Gedanke

Zwei Namen habe ich schließlich eingereicht. Am 2. Juli lagen sie neben den Vorschlägen der anderen, und der Preis ging an eine Position, die ich nicht vorgeschlagen hatte. Das war kein Scheitern der Recherche. Ich konnte in der Sitzung mitreden, weil ich wusste, wie die Lage in Niedersachsen aussieht.

Was mich an dieser Arbeit am meisten beschäftigt hat, sind die vielen, die am Ende nicht auf dem Tisch lagen. Ich habe ihre Websites gelesen, ihre Stationen nachgezeichnet, ihre Arbeiten angeschaut. Diese Gründlichkeit schuldet man auch denen, die man nicht vorschlägt. Am 6. Oktober wird der Preis im Sprengel Museum Hannover übergeben, und ich freue mich darauf.

07
Diese Gründlichkeit schuldet man auch denen, die man nicht vorschlägt.