Blick in den dunklen Ausstellungssaal Verki mit Skulpturen, Bildern und violettem Licht
Geschichte 04 · 14. Juli 2026

Ein Fest für die Toten, gebaut in einer alten Tuchfabrik

SpurGedanke
Diese Geschichte knüpft an: Die Tuchfabrik, in der ich wohne, zeigt heute ihre dunkelste Seite.
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Ehrlich gesagt bin ich nicht wegen der Motorräder gekommen. Mich zieht dieses alte Industriegelände an, ich war tagsüber schon draußen unterwegs und habe fotografiert, und ich wollte einmal sehen, wie es von innen aussieht. Als die Frau an der Kasse sagte, zu den Motorrädern gebe es oben im ersten Stock noch eine Kunstausstellung, hatte ich damit überhaupt nicht gerechnet und bin sofort nach oben.

Weite Ansicht der langen Backsteinfabrik Verkatehdas unter blauem Himmel, oben der bunte Schriftzug VERKATEHDAS, rechts die eingemauerte Jahreszahl 1933
Die Verkatehdas, 1933 als Tuchfabrik gebaut, heute ein Kulturhaus
Backsteinfassade im Sonnenlicht, an der Wand ein großes Plakat der Ausstellung Custom Bikes & Art, davor ein Banner am Eingang
Das große Ausstellungsplakat an der Fabrikfassade
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Oben, eine Etage über den Motorrädern, liegt ein Saal, den sie Verki nennen. Drinnen ist es dunkel, die Wände sind schwarz, und das Licht liegt in Violett, Pink und Grün über allem. Aus den Lautsprechern laufen die ganze Zeit mexikanische Klassiker, was eine richtig schöne Stimmung macht. Dann sieht man, woraus dieser Raum gebaut ist: aus Holz, aus Farbe, aus Totenschädeln und aus Motorrädern.

Blick in den dunklen Ausstellungssaal Verki, links eine lange Palettenbühne mit Skulpturen und Bildern, violettes Licht
Der Verki-Saal, dunkel und theatral ausgeleuchtet
Weiter Blick durch den Saal, Holzfiguren auf Paletten entlang der Wand, blaues und violettes Licht
Die ganze Länge des Saals, Figur an Figur
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Die Ausstellung heißt Custom Bikes & Art, und der Teil, um den es mir geht, heißt mit vollem Namen Dia de los Muertos and Sexy Carvings Art. Ein Stockwerk tiefer, im großen Vanaja-Saal, stehen umgebaute Motorräder wie in einem Heiligtum, jedes ein eigenes Stück Handwerk aus vielen Ländern. Oben im Verki treffen mexikanische Totensymbolik, Malerei und rohe Holzskulpturen aufeinander. Die Idee, Motorräder und Kunst so zusammenzubringen, kam von Juha Rouhikoski, der das Haus mit betreibt und auch Lux Helsinki künstlerisch leitet.

Das Besondere für mich: Ich wohne während der Residenz auf genau diesem Gelände, im kleinen Haus der früheren Fabrikverwaltung, nur ein paar Schritte von dieser Ausstellung entfernt. So lebe ich diesen Sommer Tür an Tür mit einem Fest über den Tod. Zu sehen ist es noch bis zum 26. Juli 2026.

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Ich lebe diesen Sommer Tür an Tür mit einem Fest über den Tod.
Video: langsamer Schwenk über die Palettenbühne mit dem großen Schädel und den Figuren
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Spur · Ein langsamer Schwenk durch den dunklen Saal.
Großer geschnitzter Totenschädel auf Paletten, dahinter bunt bemalte Bildtafeln
Der große Schädel, Mittelpunkt der Szene
Wand aus Palettenholz mit Día-de-los-Muertos-Bildern, in der Mitte ein rotes Bild mit tanzendem Skelett
Sakkes Bilder auf roher Palettenwand
Gedanke

Verwirrt hat mich das alles zuerst überhaupt nicht. Die Musik, das Licht, die Schädel, das fühlte sich an wie mitten in Mexiko. Einen der Songs habe ich sogar per Shazam erkannt, Urge von Juan Valentín. Ganz selbstverständlich bin ich davon ausgegangen, dass hier mexikanische Künstler ausstellen. Einen Hinweis zum Kontext gab es nirgends. Erst zu Hause, beim Nachlesen, habe ich gemerkt, dass das gar nicht stimmt: Hinter den Werken stehen zwei Finnen.

Mannshohe geschnitzte Figur mit strahlenförmigem Kopfschmuck auf einem Sockel, im Hintergrund ein Motorrad
Gruppe hoher Holzfiguren auf Paletten zwischen violett beleuchteten Säulen
Einzelne sitzende Holzfigur in warmem Licht am Ende eines langen Korridors
Reihe roher, unbemalter Holzfiguren entlang eines dunklen Gangs
Nahe Holzfigur mit breitem Zähnegrinsen, grünlich beleuchtet, weitere Figuren dahinter
Zwei große Skelettfiguren aus bemaltem Holz, eine auf einem Motorrad, auf Paletten
Skelettfigur mit gelber Gitarre neben einer Skelettfigur auf einem Fahrrad, bemaltes Holz
Hohe Figur mit Federkopfschmuck vor heller Wand, grünes und violettes Licht
Detail mehrerer kleiner geschnitzter Figuren auf einem Regal, davor eine Figur mit Nietengürtel
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Die geschnitzte Welt Eine Wächterfigur mit Sonnenkranz
Video: bemalte Skelettfigur auf einem Fahrrad, pink beleuchtet
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Spur · Das Skelett auf dem Motorrad, aus der Nähe.
Gedanke

Wer bei Totenschädeln an Horror denkt, liegt beim Día de los Muertos falsch. Bei dem mexikanischen Fest geht es nicht ums Gruseln, sondern ums Erinnern. Familien holen ihre Verstorbenen für ein paar Tage zurück ins Leben, mit Altären, Kerzen, Blumen, Essen und Musik. Die UNESCO hat es 2008 zum immateriellen Kulturerbe erklärt.

Die vielleicht bekannteste Figur daraus, die elegante Totendame La Catrina, geht auf den Zeichner José Guadalupe Posada zurück, der um 1910 einen satirischen Totenschädel schuf. Der Schädel steht dort nicht für Angst, sondern für Erinnerung, für Vergänglichkeit und dafür, dass am Ende alle gleich sind, ob arm oder reich. Wenn man das weiß, sieht man den Raum in Hämeenlinna anders.

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Der Tod steht hier nicht für Angst, sondern für Erinnerung.
Lange Wand mit bunten Bildern in einem dunklen Raum, gemustertes Licht auf dem Boden
Eine ganze Wand voller Farbe
Bilder auf Palettenholz neben einer grün beleuchteten Säule
Farbe gegen dunkle Wand
Dunkler Chopper im Vordergrund, dahinter kleine bunte Bilder an der Wand
Ein Motorrad als stiller Mitspieler
Motorrad mit blauem Tank vor einer Reihe bunter Bilder
Chrom, Lack und Malerei nebeneinander
Der Altar
Reich geschmückter Erinnerungsaltar mit Figuren, Kerzen und gerahmten Fotos auf pink glänzendem Tuch
Der Altar, dicht und persönlich
Altar mit geschnitzten Flammen, Sonnenblumen und gerahmten Bildern auf rotem Tuch
Flammen, Blumen, Erinnerung
Video: der geschmückte Altar mit Fotos, Kerzen und Sonnenblumen
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Gedanke · Der Erinnerungsaltar, an dem Besucher ein Foto ihrer Verstorbenen dazustellen dürfen.
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Am ruhigsten wird es am Altar. Er ist der einzige Ort im Raum, der nicht von den Künstlern kommt, sondern von den Besuchern. Man darf sogar ein Foto der eigenen Verstorbenen dazustellen, auch das stand nirgends, ich habe es erst hinterher erfahren. Wer will, legt etwas ab und bleibt einen Moment. Hier ist das Fest der Toten plötzlich kein Motiv mehr, sondern echt.

Ich finde es eine wirklich tolle Ausstellung. Was fehlt, ist der Kontext vor Ort, und ohne den kann man sie missverstehen, so wie ich am Anfang. Es ist eben keine mexikanische Ausstellung, sondern die persönliche Annäherung zweier Finnen an ein fremdes Fest. Weiß man das, wird es sogar interessanter, gerade wie der finnische Bildhauer seine Figuren sieht und wie das Ganze aufgebaut ist. Ein kleiner Hinweis an der Wand würde viel helfen.

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Keine mexikanische Ausstellung, sondern die Annäherung zweier Finnen.
Ein Raum, der einen leiser werden lässt.“
Notiz aus dem Verki, Tag 4