DE EN
Fotografien von Roman Thomas hängen an einer hellen Wand im Kulttuurikonttori
Geschichte 01 · 7. und 8. Juli 2026

Ankommen im Norden

GedankeBegegnung
Gedanke

Mittags in Helsinki gelandet, unter bewölktem Himmel, dazu leichter Regen. Von dort ging es mit der Bahn eine gute Stunde nach Nordwesten. Kühl war es, und trotzdem hatte diese Ankunft ihre eigene Stimmung: weiches Grau über dem Land, die Stadt ruhig, ohne Eile. Die Unterkunft ist ein gelbes Haus an der Keinusaarentie, zwischen Theater und Schule, ein paar Schritte vom Wasser.

Wer die Stadt nicht kennt: Hämeenlinna liegt am See Vanajavesi, gut hundert Kilometer nördlich von Helsinki, und gilt als älteste Stadt im finnischen Binnenland. Über dem Wasser wacht die mittelalterliche Burg Häme, die der Stadt ihren Namen gibt, und in einem kleinen Holzhaus hier wurde 1865 Jean Sibelius geboren, der große Komponist Finnlands. Eine Stadt also, in der Geschichte und Kultur nicht ausgestellt wirken, sondern einfach da sind.

Und noch etwas verbindet: Hämeenlinna ist die finnische Partnerstadt von Celle. Genau diese Partnerschaft ist der Rahmen, in dem diese Residenz überhaupt entstehen konnte.

01
Kultur wirkt hier nicht ausgestellt, sie ist einfach da.
Verregneter Bahnsteig mit rotem Snackautomat, eine Person wartet
Bewegtbild · 0:06
Regentropfen sammeln sich auf einer zerkratzten Blechfläche
Bewegtbild · 0:08
Gedanke · Ankunft im Regen: der Bahnsteig, die Tropfen auf dem Blech.
Wo ich wohne
Lange rote Backsteinfassade der ehemaligen Tuchfabrik mit Wendeltreppe, rechts der gelbe Giebel
Dahinter die Fabrik: Spinnereien, Websäle, Lager
Frontansicht des Verkatehdas-Kontorgiebels: gelber Putz über rotem Ziegel, geschwungener Jugendstilgiebel mit Balkon
Der Kontorgiebel von 1907, mein Zuhause auf Zeit
Der Jugendstilgiebel vor der roten Fabrik, dahinter der schwarze Kubus des Theaters
Drei Zeiten in einem Bild: Giebel, Fabrik, Theater
Rundbogenfenster im roten Ziegelmauerwerk, innen lehnen gerahmte Bilder
Das rundbogige Fenster aus den alten Aufnahmen
Eingang mit Granitbogen und dunkler Holztür im Ziegel-Erdgeschoss
Mein Eingang: Granitbogen, Ziegel, altes Holz
Hausmeistertür mit dem Schild Talonmies, davor ein Pappaufsteller mit aufgespanntem Schirm
Drinnen wacht der Talonmies, der Hausmeister, mit Schirm
Begegnung

Eingeladen hat mich die Kaputa Association, ein junger Kunstverein aus Hämeenlinna. Dahinter steht vor allem Minttu Saarinen, selbst bildende Künstlerin: In ihren Installationen und Bildern verbindet sie finnische Volkstradition und Mythen mit Erscheinungen der Gegenwart, und sie stellt weit über die Stadt hinaus aus. Sie hat diese Stadtkunstresidenz aufgebaut, die Unterkunft organisiert, das Programm geplant und mich am ersten Nachmittag persönlich in Empfang genommen. Die Residenz ist langfristig angelegt, auf drei Jahre, und sie hat eine Vorgeschichte: Zwischen der Künstlergruppe hier und dem BBK Celle, dessen Vorsitzender ich bin, gibt es einen regelmäßigen Austausch mit wechselseitigen Besuchen und Ausstellungen. Die Unterkunft finanziert die Stadt Hämeenlinna, die die Partnerschaft mit Celle als Rahmen für eine dauerhafte Kulturkooperation versteht.

Am Abend dann der erste Weg ins Kulttuurikonttori an der Lukiokatu 16, ein altes Holzhaus mitten in der Stadt, mit künstlergeführter Galerie, Laden, Kunstverleih und Kursen, täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Minttu hatte gewarnt: Den Eingang am Ende des Hauses findet beim ersten Mal niemand. Stimmt. Drinnen warten Minttu, Outi Anttila und einige Mitglieder des Finnisch-Deutschen Vereins von Hämeenlinna, der Suomi-Saksa-Yhdistys. Outi ist die Vorsitzende, spricht wunderbares Deutsch und gehört zu den Menschen, die diese Städtepartnerschaft seit Jahren mit Leben füllen. Es wird ein warmer erster Abend unter Menschen, die ich eben noch nicht kannte.

Gemeinsames Essen an einer langen Tafel im Galerieraum des Kulttuurikonttori, an den Wänden Malerei
Begegnung · Der erste Abend: eine lange Tafel, viele neue Gesichter, mitten in der Kunst
Das helle Holzhaus des Kulttuurikonttori an der Straßenecke, an der Tür ein Schaf-Schild mit der Aufschrift avoinna
Das Schaf-Schild sagt „avoinna“, geöffnet. Den Eingang muss man trotzdem erst finden
Galerieraum im Kulttuurikonttori mit gelben abstrakten Bildern und einem alten Kachelofen
Der Galerieraum mit Kachelofen
Flur im Kulttuurikonttori mit dicht gehängter Kunst und Blick in den Designladen
Dicht gehängt, dahinter der Laden
Spur

Am nächsten Morgen sitzen Minttu und ich über Ideen für die Residenz: Was will ich hier sehen, was will die Stadt zeigen, wo lohnt sich der zweite Blick. Danach hängen wir eine kleine Auswahl meiner Fotografien im Haus. Die eigenen Bilder an fremden Wänden zu sehen, in einem Land, das in einigen von ihnen selbst vorkommt: ein seltsam schöner Moment. Von jetzt an bin ich hier nicht mehr nur Gast, ein Stück Arbeit von mir wohnt schon da.

Kurzes Video: Fotografien liegen sortiert auf einem weißen Tisch, dann der Blick auf die fertig gehängte Wand
Bewegtbild · 0:12
Spur · Vom Sortiertisch an die Wand: die kleine Hängung entsteht.
Vier Menschen stehen Arm in Arm in der kleinen Ausstellung, einer hält den Wimpel des RT-8 Hämeenlinna
Begegnung · Besuch in der Ausstellung, mit dem Wimpel des RT-8 Hämeenlinna. Eine Erinnerung an diesen Tag
Den Eingang findet beim ersten Mal keiner.“
Minttus Wegbeschreibung, Tag 1