Mann erzählt mit offenen Händen an einer Feuerschale im Garten, im Hintergrund ein Holzhaus
Geschichte 05 · 15. Juli 2026

Am Feuer, in einer Nacht, die keine wurde

BegegnungGedanke
Diese Geschichte knüpft an: Manche Netze reichen weiter, als man je geplant hat.
Begegnung

In den letzten Tagen habe ich mehr neue Menschen kennengelernt als zu Hause in zwei Jahren. Manche davon ganz gezielt, die meisten durch Zufall. Wobei ich beim Schreiben merke, dass das Wort Zufall nicht ganz stimmt. Es war eher eine Kette von offenen Türen, und die erste davon wurde vor vielen Jahren in Hannover geöffnet.

Begegnung

Dort war ich beim Round Table 77, einem Serviceclub für Männer bis 40, dessen Idee 1927 in England entstand und dessen Motto bis heute drei Worte sind: Adopt, Adapt, Improve. Wer die Vierzig überschreitet, wechselt zu den Old Tablers, und die gibt es inzwischen in 37 Ländern. Über diesen Faden bestand seit Jahren Kontakt nach Lappeenranta in Ostfinnland, und über die Tabler dort kam ich an Ville und Rolf hier in Hämeenlinna.

Die beiden waren die ersten Besucher meiner Ausstellung, und sie haben mich aufgenommen, als wäre ich nie woanders gewesen. Genau dafür schätze ich dieses Netzwerk: Es ist kein Geschäftsverteiler, es ist ein persönliches Netz, das weit über die eigenen Grenzen reicht.

01
Kein Geschäftsverteiler, sondern ein persönliches Netz über Grenzen.
Rotes Haus mit grünem Blechdach und Erker, davor Gartenliegen und ein gedeckter Tisch
Der Tisch ist gedeckt, der Abend kann kommen
Sommerliche Tafel im Garten, vier Menschen beim Essen, Blumen im Vordergrund, Hochformat
Essen im Garten, wie unter alten Freunden
Rotes Holzhaus mit weißer Verandatreppe, davor sitzt ein schwarzer Hund im Gras
Der Wächter des Abends
Frau sitzt entspannt auf einem Gartenstuhl unter Bäumen, neben ihr ein schwarzer Hund, Hochformat
Zuhören, während das Licht weich wird
Abendliche Gartenrunde mit Stühlen und Menschen, ein dunkler Hund läuft über den Rasen
Die Runde findet sich im Garten zusammen
Frau am Rand der Feuerschale im Gespräch, ein Hund schaut zu ihr auf
Gespräche, die näher rücken
Mann erzählt mit offenen Händen an der Feuerschale, ein zweiter steht daneben
Am Feuer werden aus Sätzen Geschichten
Gedanke

An diesem Abend ist mir etwas klar geworden, das ich lange nicht benennen konnte. Ich arbeite hier an meiner Serie Heimat, und ich habe Heimat nie an meinen Geburtsort oder ein Land gebunden. Für mich ist es das Gefühl, wo man sich zu Hause fühlt. Das Finnische hat dafür ein schönes Wort: Kotimaa, zusammengesetzt aus koti, dem Zuhause, und maa, dem Land. Das Wörterbuch definiert es als das Land, in dem jemand geboren ist oder das er sein Zuhause nennt. Dieses oder ist der ganze Unterschied.

Und als Pekka am Feuer über die Energie sprach, die allem innewohnt, wusste ich plötzlich, was ich in meinen Bildern so lange nicht beschreiben konnte: Es ist genau diese Energie, die ich selbst nicht sehen kann, die ich aber spüre, im Moment der Aufnahme. Mein innerer Antrieb, genau in diesem Moment, an diesem Ort, genau dieses Bild zu fotografieren.

03
Kotimaa: das Land, das man sein Zuhause nennt.
Die Burg von Hämeenlinna als dunkle Silhouette über dem See, dahinter ein orange glühender Nachthimmel, Hochformat
Die Burg von Hämeenlinna in der hellen Nacht, auf dem Heimweg
Spur

Und das alles in einer Nacht, die keine wurde. Hämeenlinna liegt auf 61 Grad Nord, die Sonne ging kurz vor elf unter, und richtig dunkel wurde es danach nicht mehr, nur ein langes, warmes Dämmern bis zum Morgen. Die Finnen haben auch dafür ein Wort: yötön yö, die nachtlose Nacht. Eine magische Sommernacht, wie man sie nur selten erlebt, und ein sehr persönlicher Austausch mit einer Familie, die mich erst seit Tagen kennt, und mit Freunden, die an diesem Abend selbst welche wurden.

Sami, Roman und Kathri stehen lächelnd nebeneinander in einem hellen Galerieraum, Hochformat
Wiedersehen in meiner Ausstellung: Sami, ich und Kathri (von links)
Eine Nacht, die keine wurde.“
Notiz aus dem Garten, in der hellen Nacht