Notiz · 3. Juli 2026
[de] 18/26 Design
Wenn Technik wieder Raum schafft.
Neue Werkzeuge verändern gerade, wie wir gestalten, arbeiten und zusammenarbeiten. Das Bemerkenswerte daran ist nicht das Tempo. Es ist der Raum, der frei wird.
Etwas sortiert sich neu
Ich habe so einen Wandel schon einmal erlebt. Als die Fotografie digital wurde, haben viele um das Handwerk gefürchtet. Geblieben ist das Handwerk, verschwunden ist die Dunkelkammer. Der Blick, die Komposition, das Licht: alles noch da. Nur der Weg dorthin wurde kürzer, und plötzlich war Raum für Dinge, die vorher an der Technik hängen geblieben waren.
Genau an diesem Punkt stehen wir wieder. Diesmal heißt der Wandel nicht Digitalkamera, sondern KI. Ich habe an anderer Stelle beschrieben, wie ich mit Claude Code Websites baue. Hier geht es um die größere Frage: Was verändert diese Arbeitsweise an der Arbeit selbst?


Was im Alltag wegfällt
Ein großer Teil kreativer Arbeit war nie kreativ. Dateien umbenennen, Formate umrechnen, Texte von einem System ins andere tragen, auf Updates warten, kaputte Technik reparieren, Angebote formatieren. Diese Schicht aus Reibung lag immer zwischen der Idee und dem Ergebnis, und sie hat sich angefühlt wie Arbeit, war aber nur Verwaltung.
Genau diese Schicht wird gerade dünner. Was sich in Sprache beschreiben lässt, kann eine KI übernehmen: das Monotone, das Wiederkehrende, das Zeitraubende. Nicht irgendwann, sondern jetzt, an meinem Schreibtisch in Celle.
Die KI nimmt mir nicht das Gestalten ab. Sie nimmt mir das ab, was mich vom Gestalten abgehalten hat.
Was dafür Platz bekommt
Frei werdende Zeit ist nur dann ein Gewinn, wenn sie irgendwo hinfließt. Bei mir fließt sie in das, was eine Arbeit gut macht: in die Konzeption, in die Bildsprache, in das Textgefühl, in die Frage, ob etwas trägt oder nur gefällt. Eine Variante mehr denken, ein Detail länger prüfen, einen Entwurf auch mal verwerfen, weil der zweite besser ist. Das ist keine Effizienz. Das ist Qualität, die vorher der Reibung geopfert wurde.
Zusammenarbeit wird direkter
Für Kunden verändert sich etwas sehr Praktisches: die Entfernung zwischen Gedanke und Ergebnis. Früher lagen zwischen „könnten wir mal sehen, wie das wirkt” und dem fertigen Entwurf Tage. Heute zeige ich Zwischenstände, während wir sprechen. Eine Änderung ist keine Verhandlung mehr über Aufwände, sondern oft eine Sache von Minuten.
Das macht Zusammenarbeit beweglicher und ehrlicher. Wenn eine Variante wenig kostet, darf man mutiger fragen: Was wäre, wenn? Und wer am Ende eine Website von mir übernimmt, bekommt eine KI-Datei dazu und führt seine Seite selbst weiter, in normalen Worten, ohne von mir abhängig zu sein. Aus Abhängigkeit wird Begleitung.
Mehr als Websites
Websites sind nur der sichtbarste Anfang. Dieselbe Arbeitsweise ordnet bei mir längst mehr: Angebote entstehen strukturierter, Bildserien werden schneller gesichtet, Texte in Ruhe entwickelt statt zwischen Tür und Angel. Mein Studio arbeitet dafür als Ensemble aus Rollen, jede mit eigenem Handwerk, vom Entwurf über die Prüfung bis zum Schnitt. Das ist keine Metapher für Software. Es ist die Art, wie sich Arbeit neu organisiert, wenn die Werkzeuge mitdenken.
Die Farbgeberin Farbe und Stimmung
Der Architekt Struktur und Wege
Die Bildredakteurin Fotohandwerk
Die Kuratorin Haltung und Auswahl
Der Wächter Datenschutz und Sicherheit
Die Cutterin Bewegtbild
Der Chronist Dokumentation Warum ich darin Zukunft sehe
Nüchtern betrachtet: Werkzeuge, die Reibung entfernen, sind noch nie wieder verschwunden. Die Dunkelkammer kam nicht zurück, der Bleisatz auch nicht. Entscheidend ist, wer mit den neuen Werkzeugen arbeitet. Denn eines können sie nicht: entscheiden, was gut ist. Geschmack, Auswahl, Haltung, Verantwortung, das bleibt Menschenarbeit, und es wird wichtiger, nicht unwichtiger, wenn das Erzeugen billig wird.
Deshalb sehe ich darin keinen Bruch mit meiner Arbeit als Fotograf, Gestalter und Künstler, sondern ihre Fortsetzung. Die Werkzeuge ändern sich, der Blick bleibt. Und zum ersten Mal seit langem arbeitet die Technik nicht gegen die Gestaltung, sondern macht ihr Platz.
Was das konkret für eine neue Website bedeutet, steht auf der Seite Websites mit Claude Code. Der Rest entsteht im Gespräch.