Notiz · 18. September 2026
[de]43/26Studio
Ich war mein erster Kunde.
Das System, das ich heute Kunden anbiete, habe ich zuerst für mich gebaut. Mit allen Umwegen.
Ich bin seit 1999 selbstständig. Fotografie, Gestaltung, Kunst. Wer so arbeitet, macht an einem Tag sehr viele verschiedene Dinge: ein Angebot schreiben, Bilder aussortieren, eine Website ändern, eine Mail an einen Verein, eine Rechnung, einen Pressetext, eine Bewerbung für eine Ausstellung.
Jedes dieser Dinge hatte sein eigenes Programm. Und jedes Programm wollte, dass ich ihm von vorn erkläre, wer ich bin.
Der Anfang war klein
2025 habe ich angefangen, mit Claude zu arbeiten, einer KI von Anthropic. Zuerst für einzelne Aufgaben: ein Werkzeug, das PDFs in meinem Design setzt. Eins, das Mails als Entwurf vorbereitet, aber nie selbst abschickt. Eins, das meine Website baut.
Das Problem war schnell dasselbe wie vorher: Jedes Werkzeug wusste nur, was ich ihm gerade erzählt hatte. Also habe ich angefangen aufzuschreiben. Wie ich spreche. Welche Farben ich benutze. Welche Wörter ich nicht mag. Was jeder Kunde schon entschieden hat.
Aus diesen Notizen wurde nach und nach das Wichtigste im ganzen System: ein gemeinsames Gedächtnis.
Aus Helfern wurde ein Studio
Im Sommer 2026 habe ich das Ganze geordnet. Es gibt jetzt Räume: für Kunden, für Gestaltung, für die Website, für Texte, für Dokumente, für Recherche, für Regeln. Jeder Kunde hat ein Büro mit denselben Fächern. Jede Aufgabe hat eine feste Zuständigkeit, und ich habe diesen Zuständigkeiten Namen und Gesichter gegeben. Die Lektorin liest jeden Text, bevor er rausgeht. Die Belegprüferin prüft Zahlen gegen die Quelle. Die Jurorin sieht sich Gestaltung an, ohne zu wissen, wie sie entstanden ist.
Das klingt verspielt. Es hilft mir aber, zu sehen, wer gerade arbeitet und wofür.
Und dann habe ich wieder weggenommen
Das ist der Teil, der in Erzählungen über KI meistens fehlt. Im Juli und August habe ich mein eigenes System prüfen lassen. Das Ergebnis war deutlich: Viele Regeln standen an mehreren Stellen gleichzeitig, und manche Pflicht stand nur auf dem Papier, statt wirklich durchgesetzt zu werden. Die Leitlinie seitdem: weniger bauen, mehr prüfen, verschlanken, absichern.
Ich habe eine Werkstatt für meine Post gebaut, eine Weile betrieben und wieder abgeschafft. Ich sortiere meine Mails lieber selbst. Das war keine Niederlage. Es war die Antwort auf die Frage, die ich mir bei jedem Werkzeug stelle: Nimmt es mir Arbeit ab, oder macht es mir neue?
Was schiefging
Es ging auch einiges schief. Ein Test hat einmal eine echte Zugangsmail an eine Kundin geschickt, bevor ihr Zugang fertig war. Seitdem gibt es drei voneinander unabhängige Sperren, damit das nie wieder passiert. Ein Formular war einmal still kaputt, während alle Anzeigen grün leuchteten. Gefunden hat es eine Routine, die die Seite aufruft wie ein Besucher.
Aus jedem dieser Fehler ist eine Regel geworden. Und aus den Regeln eine Haltung: Die Maschine darf viel vorbereiten. Entscheiden tue ich.
Warum ich es jetzt weitergebe
Irgendwann habe ich gemerkt, dass die Unternehmen, für die ich arbeite, dasselbe Problem haben wie ich. Nur größer. Mehr Menschen, mehr Stellen, an denen Wissen liegt. Mehr Übergänge.
Aus meinem Studio ist deshalb Kenala geworden. Was bei mir das gemeinsame Gedächtnis ist, heißt dort die DNA eines Unternehmens. Die Website ist der erste Bereich, der daraus entsteht. Social Media, Drucksachen und Newsletter wachsen aus derselben Mitte.

Meine eigene Website war die erste, die so gepflegt wird: ein Satz, eine Vorschau, ein Ja.
Ein Programmierer bin ich dadurch nicht geworden. Ich bin immer noch jemand, der gestaltet. Ich gestalte jetzt nur auch das, was dafür sorgt, dass Gestaltung im Alltag hält.
Was daraus für Kunden wird: Webseiten mit Kenala →